Capbreton

Die 14. Fahrt in diesem Jahr von Arcachon nach Capbreton startete am 03.06. bereits um 05.30 Uhr, eine gute Stunde vor Sonnenaufgang. Um 06.10 Uhr war Hochwasser in Arcachon und die Strömung „mit“ wollten wir natürlich wieder nutzen. Abends vorher hatten wir uns per Funk über UKW-Kanal 16 mit dem Semaphore „Cap Ferret“ in Verbindung gestetzt und von dort wurde uns geraten, um 06.30 Uhr am Cap zu sein, um die betonnte Ausfahrt zum Atlantik mit dem Hochwasser gefahrlos passieren zu können. Dies hat alles gut geklappt.

Die Wanderdüne „Dune de Pilat“ in der Morgenfinsternis

Die Fahrt nach Capbreton = 64 Sm war auf 12 Stunden angesetzt. Der Wind kam aus WNW mit ca. 4 Knoten und drehte später auf Nord bis max. 9 Knoten. Es war eine angenehme, entspannte motor unterstützte Fahrt bei leicht bewegter See und zunächst halb bewölktem, später blauem Himmel.  Entspannt bis zu der Zufahrt zu dem Kanal der zum Hafen Capbreton führt. Lt. dem Almanac sollte man den „Boucarot’s Kanal“ 2 Stunden vor oder 2 Stunden nach Hochwasser passieren, weil dann genügend Wasser vorhanden ist (der Kanal hat nur eine Tiefe von 1.50m und ist von schneller Versandung betroffen) und der Schwell vom Atlantik her am Geringsten ist.  Der Seeboden ca. 800m vor der Hafenzufahrt von Capbreton steigt von einer Tiefe von 80m bis auf 2 m an und somit ist vor der Zufahrt ein sehr starker Seegang, bei Niedrigwasser überschlagen sich die Wellen dort. Letzteres ist bei angehendem Hochwasser geringer. Bei starkem Westwind wird sogar abgeraten, den Hafen anzufahren. Wir waren pünktlich 2 Stunden vor Hochwasser vor der Hafenzufahrt und mit 9 Knoten Wind waren die Voraussetzungen also gut.

Hafenzufahrt bei Niedrigwasser und wenig Wind
bei ca. 25 Knoten Westwind sieht dies schon anders aus

 

 

 

Guus schaltete den Steuerungsautomaten von Autopilot, der die ganze Strecke problemlos funktioniert hatte, um auf Standby, also manuelle Bedienung. Zu seinem großen Schrecken stellte er fest, dass das Steuer fast nicht reagierte. Die Strömung hatte uns jedoch bereits in den Kanal gedrückt, welcher links und rechts von Molen eingegrenzt wird. Die Mauer der Mole an unserer Backbordseite kam immer näher. Guus reagierte intuitiv richtig, indem er viel Gas bzw. Schub voraus gab und wie „verrückt“ das Steuer nach Steuerbord drehte. Das Steuer ließ sich endlos weiter drehen. Mit viel Glück und auch dank der Strömung hat die Kursänderung dazu geführt, dass wir unfallfrei den Hafen erreichten. Im Hafen selber hat uns der Wind beim Anlegemanöver geholfen, wir wurden an einen freien Kopfsteg gedrückt. Nachdem wir uns von dem Schrecken erholt hatten, hat Guus den Aussensteuerstand geöffnet und stellte fest, dass das gesamte Hydrauliköl ausgelaufen war und der Innensteuerstand mit dem Öl versifft war, das Ölreservoir war leer. Ein Wunder, dass das Steuer noch überhaupt ein wenig reagiert hat!

Vorgeschichte: von Anfang an, hat Guus festgestellt, dass immer wieder etwas Öl aus der Steuerungsanlage tropfte und hatte dies auch direkt bei der Werft reklamiert. Auch nach Durchführung der Garantiearbeiten in April 2018 in NL-Nijkerk, tropfte es immer wieder weiter. Der Schiffsbauer teilte uns in einer Mail mit, dass die Leitung, aus welcher es tropt, nur eine Entlüftungsleitung wäre und vom geschlossenen System abgetrennt werden kann. Guus sollte dann in der Öffnung der Leitung eine Blindschraube montieren und das Ende höher hängen als das Ölreservoir. Dies hat er in Arcachon, einige Tage bevor wir nach Capbreton gefahren sind, so umgesetzt. Er war das ständige kontollieren, sauber machen und Öl nachfüllen leid. Aber die Änderung hatte die fatale Folge, wie oben beschrieben. Wir waren somit total entsetzt, wie man so eine unfachmännische Lösung des Problems unterbreiten kann, wobei wir vom Schiffsbauer immer wieder zu hören bekamen, dass er über eine 30jährige Schiffsbauerfahrung verfüge. Da die GusAnne auch über einen Innensteuerstand verfügt und die Hydraulik mit dem Aussensteuerstand zusammen ein geschlossenes System bildet, hätte also auch innen die Entlüftungsleitung genau so abgetrennt und verschlossen werden müssen, wie außen. Dies hat Guus in Capbreton in einem Telefonat mit dem Vertreiber der Hydraulikanlage erfahren. Auf eine weitere Kommunikation mit dem Inhaber der Werft hat Guus verzichtet, nachdem dieser nach Kenntnis der „fast“ Haverie, noch nicht mal eine Entschuldigung über die Lippen bekam.  Der Vertreiber der Hydraulikanlage reagierte sehr freundlich  und erklärte in zwei Telefonaten, wie das Übel beseitigt werden kann, d.h. die alte Situation wieder herzustellen sei. Das wurde jetzt in Capbreton realisiert. Dazu mussten wir uns einfach die Zeit nehmen. Hinzu kam, dass Guus wegen Backenzahnprobleme eine Zahnärztin aufsuchen und sich leider einer Wurzelbehandlung unterziehen mußte. Um sich den Frust, den Guus immer wieder mit der Werft hatte, von der Seele zu schreiben, erstellt er ein Resümee über die zweijährige Erfahrung in Bezug auf Technik und Bau unserer GusAnne. Dieses Resümee wird mit einem besonderen Titel im Blog veröffentlicht.

Der Hafen und die Umgebung von Capbreton sind jedoch sehr schön, sodass der längere Aufenthalt überhaupt keine Strafe war, im Gegenteil. Eine Sehenswürdigkeit ist die Seebrücke, die der französische Kaiser Napoleon III 1858 in Auftrag gab. Diese ist nicht nur eine Attraktion für Besucher, sondern schützt gleichzeitig die Hafenzufahrt gegen die starke Brandung.

 

Die Seebrücke, vorne die Gedenktafel an Napoleon III
die Seebrücke von der Mole gegenüber aufgenommen

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch wurde eine Radtour nach Bayonne unternommen. Einen Teil des Radweges „La Vélodysée„, eine 8.186 km lange EuroVelo-Fernradroute, die vom norwegischen Nordkap nach Sagres in Portugal führt, führt auch von Capbreton nach Bayonne, insbesondere durchs Grüne. Sehr entspanntes Radfahren ohne große Belästigung durch PKW’s. Bayonne liegt im französichen Baskenland am Zusammenfluss der Flüsse Adour und Nive. Eine schöne, alte Stadt mit einem besonderen Flair.

Blick auf die Kirche Notre Dame

 

der Bahnhof

 Im Nachbarort „Hossegor“ befindet sich ein schöner See, der mit dem Kanal, welcher zum Atlantik führt, verbunden ist. Den See haben wir am Sonntag zu Fuß umrundet, knapp 8 Km. Natürlich wurden Päuschen eingelegt, um die Urlaubsstimmung richtig zu genießen.

der See bei Hochwasser
und bei Niederigwasser
auch hier wieder Austernzucht

 

 

 

 

Direkt in der Nähe unseres Liegeplatzes befindet sich auch der Fischereihafen. Die einzelnen Fischerboote haben auf der Kade ihren Verkaufsstand, wo man jeden Tag von morgens bis abends frischen Fisch kaufen kann.

 

 

 

Nach 14 Tage Aufenhalt in Capbreton werden wir morgen, Dienstag, 18.06. zum letzten Hafen in Frankreich, Hendaye, fahren. Wir melden uns dann wieder mit einem neuen Beitrag.