Royan und Arcachon (Süd-Frankreich) und Besuch Bordeaux

Am Dienstag, 21.05. sind wir morgens um 7.00 Uhr los zum 52 Sm südlicher gelegenen Royan. Hochwasser in La Rochelle war um 06.40 Uhr, sodass wir von Anfang an die Strömung mit hatten. Der Himmel war blau und die Temperatur kletterte im Laufe des Tages auf 18°C. Der Wind kam aus Nord und drehte auf NNW mit max. 9 Knoten, es wurde nur das Großsegel gesetzt und der Motor lief mit. Um 16.30 Uhr haben wir im Hafen von Royan angelegt. Durchschnittsgeschwingkeit  5,7 Knoten, maximal erreichten wir 8,9 Knoten.

Route von La Rochelle nach Royan. Der untere „Knicks“ war erforderlich wegen Untiefen, die wir umfahren mussten.
Liegeplatz

 

 

 

 

 

 

 

 

Royan liegt am Atlantik, an der Trichtermündung -die größte Europas- des Flusses La Gironde in der Region Nouvelle-Aquitane. Royan war Anfang des 20. Jahrhunderts ein mondäner Badeort, wurde jedoch im 2. Weltkrieg durch einen britischen Luftangriff und danach nochmals von der US-Luftwaffe vernichtend angegriffen. Bei Letzterem wurde großflächig Napalm eingesetzt. In den 50er und 60er Jahren wurde die Stadt nach Regeln der modernen Architektur neu aufgebaut. Und……dies ist unserer Meinung nach, sehr gelungen. Die Stadt wirkt freundlich, großzügig und ist durch die vielen kleinen und größeren Parks oder Plätze sehr grün. Als Ersatz für die im Krieg zerstörte Kirche Royans wurde eine neue Kirche aus Stahlbeton, gleichzeitig als Mahnmal dienend, errichtet.  Architektonisch beeindruckend.

Eingangsportal der Notre Dame
Innenansicht
hintere Ansicht
.

Die Umgebung hatte auch einiges zu bieten, u.a. die Grotten „de Matata“ in Meschers-sur-Gironde, natürliche Höhlen, die in Kalksteinfelsen gegraben und zunächst als Silos, und später von Schmucklern genutzt wurden. Auch fanden protestantische Familien hier Zuflucht. Heute beherbergen die Höhlen ein Museum, eine Crèperie und ein Hotel.

Dann haben wir Talmont-sur-Gironde besucht; der Ort zählt zu den Schönsten Dörfern Frankreichs.

Kirche Ste-Radegonde in Talmont

 

.

 

 

 

 

 

 

 

Der Radweg entlang der Küste führte immer an schöne Buchten vorbei, wo man die Fischerhütten (Carrelets) sehen konnte. Nur bei Hochwasser bzw. um die Hochwassertide kann hier geangelt werden, weil ansonsten die großen, viereckigen Netze die Felsen berühren.      

Auch der Leuchtturm „La Coubre“ war eine Attraktion; mit Blick auf die Mündung der Gironde befindet er sich in der Stadt La Tremblade. Daten: 64m hoch und sein Licht ist 28 Sm weit sichtbar.

An einem unseren „freien“ Tage hat Guus den „Echomax“ im Mast neu befestigt. Er hatte festgestellt, dass der Echomax-Stab nicht mehr fest montiert war, sondern sich im Wind bewegte. Die GusAnne wurde mit einem Echomax Active Dualband ausgestattet, um Radar-Signale zu empfangen und als verstärktes Signal wieder zurück zu senden. Dieses erhöht die Wahrscheinlichkeit, insbesondere von größeren Schiffen geortet zu werden und verringert somit das Risiko eines Zusammenstoßes, weil es entgegen kommende Schiffe alarmiert. Guus wurde mit dem Seemannsstuhl mittels einer elektrischen Winsch, von Anneke bedient, auf die entsprechende Höhe gebracht. Vorher haben wir aus Sicherheitsgründen einen Test durchgeführt und uns auf die notwendigen Verständigungen abgestimmt. Hat alles gut geklappt und der Stab ist wieder neu befestigt worden.

so sieht er aus, der Echomax-Stab. Das untere Bedienungselement ist im Schiff, in der Nähe des Innensteuerstandes montiert, und wird von dort bedient
noch ein kleines Stück und Guus ist oben

 

 

 

 

 

 

 

 

und fertig

Nach 5 Tage Royan stand als nächster Hafen Arcachon auf unserer Tagesordnung. Der Hafen vom Arcachon liegt im  Becken „Bassin“ von Arcachon“ und ca. 77 Sm südlicher. Also eine ca. 14 stündige Fahrt und somit Annekes erste Nachtfahrt. Sonntag, 26.05. war um 23.50 Uhr in Royan Hochwasser und wir sind daher kurz vor 23.00 Uhr abgefahren, also wieder mit der Strömung. Es war an diesem Tag Neumond, also richtig dunkel. Wir hatten die Route natürlich vorher -wie immer- in der Seekarte eingezeichnet und nochmals besonders notiert. Auch die zu passierenden Seezeichen und Lichtern, mit entsprechender Kennung, wurden vermerkt. Sobald die Küste und der Hafen außer Sichtweite waren, konnten wir nur noch die Befeuerung der Seezeichen erkennen, ansonsten alles dunkel und muss man sich auf die Instrumenten, AIS  und Radar verlassen. Wir hatten bis zu 15 Knoten WNW-Wind, haben Genua und Großsegel gesetzt (teilweise mit Motor) und kamen gut voran. Eine etwas unangenehme Situation ereignete sich, als sich plötzlich Lichter auf uns zu bewegten. Wir dachten zunächst, dass es sich um ein Douane- oder ein sonstiges offizielles Schiff handelte. Wegen dem grellen Licht konnten wir nichts erkennen. Das Boot kam direkt auf uns zu und als es seitlich von uns war konnten wir sehen, dass es ein größeres Fischerboot war. Die Besatzung rief uns etwas zu, was wir rein akkustisch nicht verstehen konnten. Wir haben den Motor gestoppt und zunächst auf die Karte bzw. auf den Plotter geschaut, ob wir irgendwie vom Kurs abgekommen wären und uns einer gefährlichen Situation nähern. Dies war nicht der Fall. Die Fischersleut kamen erneut sehr nah an uns heran und riefen uns wieder etwas zu. Schließlich deutete einer mit seinen Armen an, dass wir einen anderen Kurs fahren sollten, was wir dann auch gemacht haben. Wahrscheinlich befanden wir uns direkt auf dem Weg zu deren Netze, obwohl wir uns im normalen Fahrwasser befanden. Das Boot ist dann weggefahren und wenig später sind wir wieder auf unserem Kurs. Also alles gut! Anneke war dennoch froh, als es langsam wieder hell wurde und wir wieder etwas erkennen konnten. Das Becken von Arcachon erreichten wir gegen Mittag, das war auch so geplant. Bei Nacht darf man dort nicht hineinfahren, weil keine beleuchtende Betonnung vorhanden ist. Außerdem muss man sich vorher über UKW-Kanal 16 beim Sémaphore „Cap Ferret“ anmelden. Dort wollen sie den Tiefgang des Schiffes und die Anzahl der Personen, die an Bord sind, wissen. Man muss eine Stunde vor Hochwasser vor dem Zugang zum Bassin sein und die genaue Ortung bzw. Koordinaten der rot-weissen Ansteuerungstonne zum Bassineingang werden dann über UKW mitgeteilt. Diese wird oft verlegt,  wegen der starken und täglich sich ändernden Versandungen, und es ist unumgänglich diese Position zu kennen und die Tonne zu finden um sicher zu der weiterführenden Betonnung und somit in den Hafen zu gelangen. Obwohl der WNW-Wind, wie berichtet, nur max. 15 Knoten stark war, konnte man bei den versandeten Untiefen eine enorme Brandung erkennen. Wir wurden über den UKW-Kanal toll begleitet. Hinterher haben wir bei der Erkundung der Küste Mahnmale gesehen, die an Personen und Schiffe erinnern, die in dem vorgenannten Bereich verunglückt sind. Zuletzt ein Fischerboot nebst Besatzung aus Arcachon in Januar 2019. Da sollte man meinen, dass diese sich hier auskennen, aber die Natur bzw. die Wassergewalt ist nicht zu unterschätzen.

Route von Royan nach Arcachon

Wir beide waren bereits vor ca. 40 Jahren (40 !) in Arcachon, damals mit einem Renault R4 und noch sehr jung und haben u.a. die „Dune de Pilat“, die größte Wanderdüne Europas besichtigt. Dies haben wir jetzt wiederholt, Die Düne ist bis zu 110m hoch,  500m breit und etwa 2,7 Km lang. Es war wieder sehr beeindruckend, was man leider auf Bildern nicht richtig wiedergeben kann.

der Himmel voller Gleitschirmflieger

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Fahrradtour am 31.05. führte nördlich des Bassins. Wir planten von Arcachon nach Andernos-les-Bains zu fahren um von dort mit einer Fähre nach Arcachon zurück zu gelangen. Aber……. nach 47 Km in Andernos angekommen, mussten wir erfahren, dass die Fähre erst ab dem nächsten Tag fährt, obwohl im Propekt anders angegeben. Wir überlegten kurz dort zu übernachten, aber dann haben wir uns nach einer Pause auf einer Terrasse mit einem kleinen Bierchen gesagt, wir fahren wieder zurück. Also die gleiche Strecke wieder zurück und nach insgesamt 87 Km waren wir gegen 18.30 Uhr wieder zurück an Bord mit müden Beinchen.

Eine schöne Gegebenheit erfuhren wir an unserem Steg. Der Inhaber eines benachbarten Bootes kam auf uns zu und  bewunderte unser Schiff. Nach einer kurzen Konversion fragte er Guus, ob er Austern möge. Wie bekannt, ist dies der Fall. Er schenkte ihn an die zwanzig Austern, frisch gefangen, die Guus sich in zwei Intervallen sehr schmecken ließ!

Ein weiterer Nachbar schenkte uns ein Einmachglas mit selbstgemachter Soße, die zu Nudeln oder Fleisch gegessen werden kann. Müssen wir noch probieren! Sonntagsmorgen lag eine Tüte mit frischen Croissants auf dem Tisch in unserer Pflicht, vom gleichen Nachbar. So wurden wir von freundlichen Franzosen verwöhnt.

Sonntag, 2. Juni, sind wir mit dem Zug nach Bordeaux gefahren. Die „Unesco-Kultererbe-Tour“ führte über 12,5 Km (einschl. Rückweg zum Bahnhof St. Jean) an Gebäuden, Plätzen und Parks vorbei, insgesamt 1,8 Hektar von Bordeaux, die in dem Verzeichnis der Natur- und Kulturdenkmäler aufgeführt sind.  Dies war alles sehr imposant. Aber die Südstadt, wo weniger betuchte Leute leben,  haben wir beide als sehr schmutzig empfunden. Überall lag Müll herum. Abfallkörbe, Mülleimer die an den Straßen standen waren übervoll und viel Müll lag daneben. Und das an einem Sonntag, wo viele Besucher in der Stadt waren. Auch waren dort sehr viele Clochards, viele junge Männer oder auch alte Männer. Dies hat die Freude an der Stadt sehr geschmälert.

Porte Cailhou, altes Stadttor
„Monument aux Girondins“, erinnert an die Abgeordneten der Gironde, die während der Französischen Revolution Opfer des Terrors wurden

 

 

 

 

 

 

 

 

Porte d’Aquitaine

 

 

Vor de“Pont de Pierre“ an der La Garonne

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 3.06. geht es in aller Frühe (04.50 Uhr Aufstehen) nach Capbreton. Hierüber im nächsten Beitrag!